Archiv-Ausgabe · Vertraulich
Aktenbericht über
den Vorfall zu Schönbrunn
Ergänzender Aktenvermerk (1777)
Ein klassifizierter Auszug aus Flüstern im Irrgarten,
einem Buch aus den Chroniken der Zeitwächter in Arbeit.
Dies ist das andere Dokument.
Ebenfalls im Jahr 1777 gemeinsam mit dem offiziellen Gerichtsprotokoll abgelegt, irritierte dieses Schriftstück die Schönbrunner Kanzleibeamten nahezu sofort.
Seine Sprache entspricht nicht dem Sprachgebrauch des achtzehnten Jahrhunderts.
Sein Tonfall zeigt wenig Respekt vor Hierarchien.
Und seine Erklärungen sind, bestenfalls, unerquicklich.
Zeitgenössische Archivare vermerkten, dass das Dokument offenbar in der Art der an dem Vorfall beteiligten Kinder verfasst sei und nur von jenen teilweise verstanden werden könne, die Zeit in ihrer Gesellschaft verbrachten.
Was eine unbequeme Frage aufwarf:
Wie archiviert man ein Dokument, das man nicht vollständig versteht?
Was ihr darin findet
– Eine parallele Darstellung desselben Vorfalls
– Eine Stimme, die sich weigert, sich wie ein ordnungsgemäßes Aktenstück zu verhalten
– Erste Anzeichen dafür, dass sich die Zeit nicht regelkonform verhält
Weder dieses Dokument noch das offizielle Gerichtsprotokoll erklären die gesamte Geschichte.
Für sich gelesen wirkt jedes beunruhigend.
Zusammen gelesen deuten sie darauf hin, dass Schönbrunn für einen kurzen Moment nicht in seinem Jahrhundert geblieben ist.